tierschutzbund_logo

Tierschutzverein Friedrichshafen und Umgebung e.V.

banner

Impressum

Leitfaden_Vogel_gefunden

 

Jungvögel

Aus dem Nest gefallen

Immer wieder erhalten Tierschutzvereine Anrufe von besorgten Tierfreunden, die im Garten oder beim Spaziergang scheinbar hilflose Jungvögel gefunden haben und befürchten, dass die Tiere aus dem Nest gefallen sind. Meist handelt es sich in diesen Fällen nicht um "verlassene" Jungvögel, sondern um junge Nestflüchter. Deren Jungvögel verlassen ihr Nest, bevor sie fliegen können. Das erste Daunengefieder ist zu diesem Zeitpunkt bereits gut entwickelt. Die Brut verteilt sich in der Regel über das ganze Gelände. So können nur einzelne Tiere, und nicht die gesamte Brut auf einmal, von natürlichen Feinden entdeckt werden. Durch Lock- und Bettelrufe stehen die Jungvögel mit ihren Eltern in Verbindung und sie werden auch noch gefüttert. Zu den Nestflüchtern gehören beispielsweise Enten, Gänse, Schwäne, Wat- und Hühnervögel sowie Rallen.

Warten auf die Elterntiere

Ältere Jungvögel von Nesthockern, die als "Ästlinge" auf einem Ast oder an anderen geschützten Orten sitzen und auf die Eltern warten, besitzen ebenfalls schon ein Federkleid, sind aber noch flugunfähig. Auch sie benötigen keine Hilfe. Die meisten heimischen Singvogelarten, wie Drosseln, Finken und Meisen sowie auch Rabenvögel, Segler, Eulen und Greifvögel zählen zu den Nesthockern.

Wer einen jungen Vogel findet, sollte ihn am Besten ganz in Ruhe lassen. Nur wenn es notwendig erscheint, weil das Tier beispielsweise direkt am Rand einer befahrenen Straße sitzt, sollte man ein Tier an einen möglichst nahe gelegenen, geschützten Ort umsetzen.

Wer einen Vogel umgesetzt hat, braucht keine Angst zu haben, dass dieser von den Altvögeln verstoßen würde. Im Gegensatz zu vielen Säugetieren haben Vögel einen schlechten Geruchssinn. Sie stören sich nicht an menschlichem Geruch. Die Jungvögel werden von den Eltern wieder aufgenommen und versorgt.

 

Aufzucht von Jungvögeln Experten überlassen

Lediglich Jungvögel von "Nesthockern",die tatsächlich noch ins Nest gehören und ohne Hilfe kaum eine überlebenschance hätten, sollten gegebenenfalls von Fachleuten versorgt werden, wenn sie zum Beispiel noch nackt und vollkommen hilflos sind, wie in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen.

Junge Vögel, die mit nach Hause genommen werden, haben meist schlechtere Überlebenschancen als in der Natur. Vielfach scheitert eine Aufzucht schon an der notwendigen Kenntnis, welche Nahrung dem Jungvogel gegeben werden soll.

Die Aufzucht von Jungvögeln verlangt darüber hinaus die volle zeitliche Aufmerksamkeit der Pflegeeltern. Junge Kohlmeisen, Buchfinken oder Amseln beispielsweise wollen alle zehn bis 15 Minuten gefüttert werden. Wir empfehlen deshalb, Jungvögel wirklich nur in begründeten Ausnahmefällen mitzunehmen. Die Aufzucht sollte nie alleine ohne sachkundige Hilfe durchgeführt werden. Wenden Sie sich deshalb an den Tierschutzverein vor Ort und fragen Sie dort nach Adressen von Experten.

Dem Bundesnaturschutzgesetz zufolge dürfen Jungvögel überhaupt nur dann vorübergehend aufgenommen werden, wenn sie verletzt, krank oder tatsächlich hilflos sind. Die Tiere sind schnellst möglich wieder frei zu lassen, sobald sie in der Natur allein überleben können.

igel

Winterfütterung von Vögeln

Die Umweltbedingungen für unsere Vögel sind schon schlecht genug, so dass es auf den Schutz jedes einzelnen Tieres ankommt. Unmengen von Pestiziden, die sowohl von Landwirten als auch von vielen Kleingärtnern versprüht werden, haben die Anzahl der Insekten und damit das Futterangebot für Vögel vermindert. Überdies werden die giftigen Chemikalien in noch überlebenden Insekten gespeichert. Fressen die Vögel diese Insekten, so sammeln sich die Gifte im Fett der Vögel an. Wenn das Fett in eisigen Nächten, in denen kleinere Singvögel, wie z.B. Meisen, bis zu 10% ihres Körpergewichtes verlieren, wieder abgebaut wird, gehen die Tiere unter Umständen an den freigesetzten Giften qualvoll zugrunde.
Lassen Sie sich auch nicht durch die gebetsmühlenartig Jahr für Jahr wiederholten Bedenken mancher Naturschützer gegen die Winterfütterung nicht verwirren. Der Vorwurf durch unsaubere Futterstellen würden mehr Vögel sterben als durch die Wintereinflüsse ist eine Behauptung, die durch keine einzige wissenschaftliche Studie belegt ist. Das Gleiche gilt für die Befürchtung, durch Fütterung der häufigen Vogelarten würden die selteneren Vogelarten zurückgedrängt. Auch die Forscher der Vogelwarte Radolfzell vertreten die Auffassung, dass eine sachgemäße Fütterung der Vögel im Winter von Nutzen für die Vogelwelt ist.

Hier einige Tipps:

Die Winterfütterung in unseren Breiten geht von Anfang November bis Ende Februar. Aber auch eine ganzjährige Vogelfütterung ist für unsere Vogelwelt sehr hilfreich.
Die Vogelgrippe ist bei der Kleinvogelfütterung kein Thema!
Futtermenge nicht mehr, als die Vögel an einem Tag verzehren.
Saubere Futterplätze und freistehende Futterhäuschen, damit sich Beutegreifer nicht unbemerkt nähern können.
Fütterung frühmorgens und nachmittags, damit die Vögel ihren nächtlichen Energieverlust ausgleichen können.
Eine sachgerechte Fütterung (z.B. Mischfutter) muß auf 2 unterschiedliche Futterspezialisten ausgerichtet sein. Die Körnerfresser wie Meise, Sperling, Kernbeißer fressen Sonnenblumenkerne, Hanfsamen, zerkleinerte Erdnüsse (ungesalzen!) usw.

Die zweite Gruppe sind die Weichfutterfresser wie Amsel, Drossel, Star, Rotkehlchen, Baumläufer, Heckenbraunelle, Wintergoldhähnchen und der Zaunkönig. Kleiber, Specht und Zeisig fressen Weich- und Körnerfutter.
Am einfachsten und durchaus ausreichend ist die Fütterung mit vorgefertigten Futtermischungen und Fettknödeln aus dem Handel. Futterreste aus dem Vorjahr gehören allerdings in die Mülltonne.
Wasservögel benötigen nur bei völlig zugefrorenen Seen bzw. z.B.am Bodensee, wenn die Flachwasserzone in großem Umfang zugefroren ist, zusätzliches Futter.Getreide, Hühnerfutter, weiche Kartoffeln und Brot (Schimmelfrei!)ist zur Wasservogel-Fütterung geeignet.
Greifvögel sollten bei anhaltendem Frost und geschlossener Schneedecke mit kleinen Fleischbrocken gefüttert werden. Diese spießt man am Besten auf Äste. Am Boden werden die kleinen Fleischstücke gerne von Fuchs, Marder oder Katze geholt.
Katzenbesitzer sollten zu Fütterungszeiten ihre Katzen häufiger im Haus lassen oder die Katzen in dieser Zeit nur Nachts frei laufen lassen. So kommt die Katze zu ihrem Auslauf und morgens können die hungrigen Vögel wieder gefahrlos Futter aufnehmen- -Die beste Winterhilfe ist jedoch der naturnahe Garten. Schneeball, Pfaffenhütchen, Heckenrose, Holunder und Eberesche ernähren mehr als 60 Vogelarten!
Eine Broschüre des Deutschen Tierschutzbundes zum Thema Winterfütterung erhalten Sie kostenlos im Tierheim in Friedrichshafen.

Wer es ganz genau wissen will sollte das aktuelle Kosmos-Buch "Vögel füttern - aber richtig" von Professor Peter Berthold zum Preis von 7,95 € kaufen.
ISBN-13: 978 - 3 - 440 - 10800 - 0.